Punta Arenas

Das gesamte Team trifft sich in Punta Arenas, einer Kleinstadt an der Südspitze Südamerikas, wo auch die letzten Vorbereitungen getroffen werden. Sobald das Wetter es zulässt, überfliegen wir mit einer speziell für die Bedingungen in der Antarktis umgebauten zweimotorigen DC-6 Maschine die stürmische Drakepassage.

Das Basislager

Sechs Stunden dauert etwa der Flug bis wir unser Basislager mit dem klingenden Namen „Patriot Hills“ erreicht haben. Hier ist das logistische Zentrum unserer Expedition. Es liegt nahe dem südlichen Ende der Ellsworth Mountains auf einem riesigen Eisplateau. Ein einsamer Zufluchtsort am Ende der Welt. Die nächste menschliche Siedlung ist 1200 Kilometer entfernt - die Scott-Amundsen-Station am Südpol.

Hier sind wir das letzte Mal mit der gesamten Mannschaft beisammen, dann verabschieden wir uns von unserem Logistikteam, das hier im Basislager zurückbleibt. Ihre Aufgabe ist es, die kommunikations- und versorgungstechnische Durchführung der Expedition zu sichern.

Beladen der Twin Otter

Eine kleine Twin Otter Maschine wird uns zum Rand des Ronne Eisschelfs am Ende des Weddell Eismeeres bringen. Hier ist unser Ausgangspunkt. Von hier wollte Shakleton seine Expedition beginnen. Wir verabschieden uns von PS und Turbotechnik. Ab jetzt zählt nur mehr unsere eigene Kraft, Kondition und Ausdauer.

Das Gesicht der Kälte

Vor uns liegen ca. 1000 Kilometer unter extremsten Bedingungen. Der vollbepackte Schlitten, in dem sich alles Notwendige befindet hat 80kg. Er wird selbst gezogen. Mit Schiern und aus eigener Kraft. Absolute Manpower ist gefragt!

Klirrende Kälte und eisige Stürme werden unsere Begleiter sein. Sastrugies – bizarre Windgebilde aus Schnee und Eis werden uns zur Verzweiflung bringen, wenn unsere Schlitten an ihnen hängen bleiben oder umfallen. Amundsen nannte ein solches Gelände den „Tanzboden des Teufels“.

„Männer gesucht für riskante Reise“, lautete die Anzeige von Sir Ernest Shakleton für seine Antarktis-Expedition 1914. „Geringer Lohn, bittere Kälte. Lange Monate in kompletter Dunkelheit. Ständige Gefahr. Sichere Rückkehr ungewiss. Ruhm und Anerkennung im Erfolgsfall“.

Der Südpol

Diese Expedition hat sich das hohe Ziel gesetzt, unsupported also völlig auf sich allein gestellt, ohne jede fremde Hilfe den Südpol in Rekordzeit zu erreichen. Vierzig Tage haben wir geplant - für viele ist es Wahnsinn und ein unmöglich durchzuführendes Vorhaben. Ganz wenige haben es gewagt - noch weniger haben es geschafft! Sechzig und mehr Tage haben die Besten gebraucht. Ein historisches Ereignis sollte dieses waghalsige Unternehmen gelingen. Ein erhebender Augenblick auf dem Punkt zu stehen, der bislang nur von wenigen Menschen betreten wurde. Die Wissenschafter der Amundsen-Scott-Station wollen uns empfangen. Wir werden einige Tage mit ihnen verbringen bevor wir uns auf den Weg zurück zum Basislager machen.

Amundsen hatte die Eroberung des Südpols von der australischen Seite durchgeführt. Eine völlig richtige Entscheidung, weil von seinem Winterlager in der Bay of Whales dies der kürzeste aller möglichen Wege zum Pol ist. Es muss zwar das Trans - Antarktische Gebirge auf einem langen und steilen Anstieg über den Axel Heiberg-Gletscher überwunden werden, aber wenn diese risikoreiche Engstelle passiert ist, hat man den schwierigsten Teil gemeistert.

Bemerkenswert ist nicht nur die Kühnheit und Leistung von Amundsen sondern vor allem, dass seine Route seither nie wieder begangen worden ist.

Bizarre Wellengebilde aud Eis erschweren den Weg

Amundsen war unter anderem deshalb erfolgreich, weil er auf die Kraft und Ausdauer von Schlittenhunden vertraute, und er selbst mit seinen Mannen auf Schiern unterwegs war. Auf Grund eines internationalen Vertrages ist es jedoch seit 1991 verboten, in der Antarktis Hundeschlitten zu verwenden. Wir müssen deshalb unsere Schlitten selbst ziehen. Sofern es die Windsituation zulässt, werden wir zur Unterstützung Segel verwenden.

Eine Parahelia zeigt an, dass das Wetter bald schlechter wird

Falls wir rechtzeitig im Basislager eintreffen, wird sich eine kleine Gruppe zum Mt. Vinson Massive aufmachen. Auch diese 300 Kilometer zum höchsten Bergmassiv der Antarktis werden wir mit selbstgezogenen Schlitten zurücklegen. Das erste Lager werden wir je nach Situation auf zirka 3400 Meter aufschlagen. Wir sind gut akklimatisiert und sollten nur mit einem kleinen zweiten Lager auf zirka 4300 Meter auskommen. Sollten die Bedingungen es zulassen, wird Wolfgang Melchior versuchen, vom Gipfel über die steilste Eisflanke mit Schiern abzufahren.