Ulvetanna, Dronning Maud Land

Die Grundlage der Antarktis ist das Eis. Ohne das Eis wäre der fünftgrößte Kontinent der Erde der kleinste von allen. Er bestünde nur aus einer sehr viel kleineren Landmasse im Osten und einer unscheinbaren Kette von Inseln und Archipelen im Westen. Das Eis verbindet sie alle. Im Winter, wenn das Meer zufriert, verdoppelt sich das Gebiet der Antarktis auf mehr als 30 Millionen Quadratkilometer und ist damit so groß wie Afrika. Der höchste Berg, das Vinson-Massiv, ist 5140m hoch. Das ist eine sehr bescheidene Höhe im Vergleich zu den anderen Gebirgen der Erde. Aber die Mehrzahl der antarktischen Bergketten sind völlig von einer gewaltigen Eisschicht bedeckt. Stellenweise erreicht die Dicke dieser Eiskappe 4700 Meter und begräbt nicht nur Berge unter sich sondern füllt auch tiefe Gräben auf, die sonst unter Meereshöhe liegen würden. Damit gibt sie dem Kontinent eine durchschnittliche Höhe von etwa 4000 Meter.

Riesige Gletscher fließen auf bestimmten Hauptrouten von der Polkappe abwärts zur Küste. Dort ergießen sie sich in Schelfeisbuchten, die teilweise gigantische Dimensionen haben. Das Ross Eisschelf beispielsweise bedeckt eine Fläche von der Größe Frankreichs und erreicht eine Eisdicke bis zu 1300 Meter. Von den Abbruchkanten der schwimmenden Gletscherzungen kalben riesige Eisberge. Der größte jemals beobachtete Eisberg wurde 1987 gesehen. Er war 160 Kilometer lang und 40 Kilometer breit. Das entspricht der Größe des Burgenlandes.

Man nennt die Erde den „Wasserplaneten“. Doch 99% des Süßwassers der Erde befinden sich in festem, kristallinen Zustand. Eis stellt die reinste Form des Wassers dar und bedeckt etwa ein Zehntel der Erdoberfläche. Zirka 90% dieses Eises liegen in der Antarktis und bilden das größte Süßwasserreservoir der Erde.

Wright Valley - Trockental in der südlichen Antarktis

Die Antarktis ist eine Welt aus Eis. Es tritt in unendlich variablen, vielfältigen Formen auf, vom winzigen Splitter bis zum gigantischen Gletscher. Man hat 78 verschiedene Eisformen festgestellt: „Pfannkucheneis“ und „Kugeleis“, grünes Eis und milchiges Eis, Eisnebel und Eisblumen, „Haufeneis“ und „Satteleis“. Die Antarktis ist der Inbegriff des Eises.

Das Eis der Antarktis hat sich in den letzten 15 Millionen Jahren gebildet und ist eine unendliche Datenbank der Klimageschichte. So können Schicht für Schicht klimatische Schwankungen der Atmosphäre seit prähistorischen Zeiten, aber auch Meteorschauer und größere Vulkanausbrüche abgelesen werden. In den obersten Schichten finden sich bereits Spuren neuzeitlicher Klimaveränderungen durch die globale Umweltverschmutzung.

Nicht die gesamte Antarktis ist mit Eis bedeckt. 1% des riesigen Kontinents ist eisfrei. Ein Teil davon sind Trockentäler. Warum diese im Lauf der Jahrmillionen eisfrei geblieben sind, ist nicht genau geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass die Berge am Kopfende dieser Täler so hoch sind, dass sie dem von der Polkappe herabfließendem Eis den Weg verbauten. Diese Trockentäler sind eine archäologische Fundgrube und geben Aufschluss über die erdgeschichtliche Entwicklung der Antarktis. 1912 fand man im Zelt neben den Leichen der unglücklichen Mitglieder der Scott-Expedition Fossilien der farnähnlichen Glossopteris, die in niedriggelegenen Sumpflandschaften wuchs. Schon den Tod vor Augen, hatte sich Dr. Wilson von ihnen nicht trennen wollen. Sie gleichen den Resten, die man auch in Indien, Südafrika, Australien und Südamerika gefunden hat und stammen aus der Perm-Periode vor 270 Millionen Jahren. Dieser wertvolle Fund war der erste sichere Beweis für die Theorie, dass die Antarktis einst mit dem Urkontinent Gondwana verbunden war.