|
Trotz der lebensfeindlichen Bedingungen hat die Antarktis eine einzigartige Flora und Fauna.
Die Ozeane um die Antarktis sind reich an maritimen
Leben. Das kalte Wasser enthält mehr freien Sauerstoff als warmes,
und das permanente Sonnenlicht des Polarsommers ermöglicht blühenden
Algen eine kontinuierliche Photosynthese. Daraus entsteht ein unerschöpfliches
Nahrungsangebot für einen erstaunlichen Reichtum an Individuen. Unter
ihnen befinden sich die größten Lebewesen unserer Erde. Mit
bis zu 30 Meter Länge und einem Gewicht von 180 Tonnen ist der Blauwal
des südlichen Polarmeers das größte jemals bekannt gewordene
Tier der Erde, größer noch als sein Verwandter im Norden, ja
sogar größer noch als der mächtigste Dinosaurier. Aber
auch Finnwale, Bartenwale, Minkerwale und die verspielten Buckelwale bevölkern
seit jeher die Gewässer der Antarktis.
Das Eismeer ist aber auch Heimat zahlreicher Robbenarten, wie zum Beispiel der riesigen Elefantenrobbe, oder der Weddellrobbe, die bis in Tiefen von 1000 Meter hinabtauchen kann oder dem Hauptfeind der Pinguine, der Leopardenrobbe. Aber auch die häufigste Robbenart der Erde, der Krabbenfresser ist hier zu Hause. Sein Name ist irreführend. Auf seinem Speiseplan stehen keine Krabben sondern ausschließlich Krill, eine kleine, etwa sieben Zentimeter lange Garnelenart. Insgesamt leben in den Ozeanen um die Antarktis 160 Wirbeltier- und 120 Fischarten. Einige Fische haben sich speziell angepasst und können sogar bei Wassertemperaturen von minus 2°C überleben. Sie haben eine Art Frostschutzmittel im Blut entwickelt, andere dagegen wie der Eisfisch haben überhaupt keine roten Blutkörperchen mehr. Der größte Fisch in den antarktischen Gewässern ist der Kabeljau. Er wird bis zu 100 Kilogramm schwer und braucht 50 Jahre bis er ausgewachsen ist.
Die Existenz dieser Lebewesen hängt von der unglaublichen Produktivität des Südpolarmeers ab, wobei Mikroalgen und Krill im Zentrum des Nahrungsangebotes stehen. Zigtausend Tonnen Krill werden jährlich produziert und dienen Fischen, Walen, Robben, Pinguinen und Vögeln als Lebensgrundlage. Im Gegensatz zu dem bewegten Leben im Wasser, ist das Leben an Land sehr eingeschränkt. Nur wenige, extrem angepasste Organismen, können bei den eisigen Bedingungen überleben. Flechten, die sich hartnäckig an ein paar einzelnen Felsen, manchmal weniger als 400 Kilometer vom Pol entfernt festklammern, überleben steifgefroren die lange Polarnacht. Manche Algenarten haben ihre Lebensgemeinschaft mit dem Eis sogar noch weiter perfektioniert. Die winzige Schneealge wächst auf offenen Schneefeldern und überzieht die weiten, weißen Landstriche mit zarten Grün- und Pinktönen.
Eine Art mit dem bezeichnenden Namen Eisalge hat eine besondere Technik entwickelt: Wenn der Ozean gefriert, sickert Meerwasser zwischen die Schichten von festem Eis und kompakten Schnee. Dabei transportiert es die mikroskopisch kleinen Eisalgen mit. Hier beginnen sie zu wachsen, stellen jedoch den dunklen Winter über alle Lebensfunktionen ein. Wenn aber im Frühjahr das Licht zurückkehrt, fangen sie an zu blühen. Sobald dann im Sommer das riesige Areal des Packeises wieder aufbricht, gelangen die Algen ins Meer und zwar in unglaublichen Mengen, die fast dem Phytoplankton in der Tiefe gleichkommen.
Geschätzte 75 Millionen Pinguine und Seevögel bevölkern die antarktischen Küstengebiete. Am meisten verbreitet ist der Adélies-Pinguin mit ca.2 Millionen brütenden Paaren pro Jahr. Der größte und bekannteste ist der Königspinguin. Er wird bis zu einem Meter groß und 30 Kilogramm schwer. Der lustigste unter ihnen ist der Makkaroni-Pinguin mit seinem gelben Kopfschmuck.
Der wahre König der Lüfte brütet in der Antarktis. Der Albatros ist mit einer Flügelspannweite von 4,30 Meter der größte Flugvogel der Welt. Aber auch Sturmvögel, Kaiserkormorane und Skuas nisten in den eisfreien, küstennahen Regionen der Antarktis. Die meisten Vögel verlassen die Antarktis beim Einbruch der Polarnacht. All jene, die zurückbleiben, mussten besondere Überlebensstrategien entwickeln, um den harten Bedingungen zu trotzen. So ordnen sich zum Beispiel Pinguine in den extrem kalten Wintermonaten zu großen Gruppen zusammen, um sich gegenseitig aufzuwärmen. Dabei gehen sie in einer Spirale von außen nach innen und umgekehrt, so dass jeder gleichermaßen aufgewärmt wird aber auch Sturm und Kälte ausgesetzt ist. |